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Wenn Muttersein anders ist, als du es dir vorgestellt hast

Autorenbild: Anja Zirngibl
Anja Zirngibl
6. Sept.
3 Min. Lesezeit


Die Geburt eines Kindes gehört zu den tiefgreifendsten Veränderungen im Leben. Vieles verändert sich gleichzeitig: der eigene Körper, der Alltag, Beziehungen, Schlaf, Verantwortung – und häufig auch das eigene Selbstbild.


Und trotzdem begegnet uns rund um die Geburt noch immer ein sehr bestimmtes Bild: Das Baby ist da, die Mutter ist glücklich, die Liebe überwältigend und die erste gemeinsame Zeit vor allem innig. Die Realität kann ganz anders aussehen.


Wenn neben der Liebe noch andere Gefühle da sind


Vielleicht liebst du dein Kind und bist gleichzeitig vollkommen erschöpft.

Vielleicht hast du dich lange auf dein Baby gefreut und fragst dich nun, warum du dich nicht so glücklich fühlst, wie du es erwartet hattest.

Vielleicht bist du häufig angespannt oder ängstlich. Du machst dir ständig Sorgen, kannst kaum abschalten oder hast das Gefühl, immer wachsam sein zu müssen.

Vielleicht fühlst du dich leer, traurig oder schnell überfordert.

Oder du vermisst dein früheres Leben und erschrickst über diesen Gedanken, weil du doch eigentlich dankbar sein müsstest.


Auch die Beziehung zum eigenen Baby fühlt sich nicht für jede Mutter unmittelbar vertraut und selbstverständlich an. Nähe und Bindung können wachsen. Gerade nach einer belastenden Schwangerschaft, einer schwierigen Geburt oder in einer Phase großer Erschöpfung kann dieser Prozess Zeit brauchen.


Eine Geburt verändert nicht nur den Alltag


Mit einem Kind entsteht nicht einfach eine zusätzliche Aufgabe im bisherigen Leben.

Oft verändert sich das gesamte innere und äußere Gefüge. Die eigene Rolle in der Familie verändert sich. Die Partnerschaft muss sich neu sortieren. Bedürfnisse, die vorher selbstverständlich Raum hatten, treten plötzlich in den Hintergrund. Gleichzeitig entsteht eine Verantwortung, die kaum Pausen kennt.


Und auch innerlich kann vieles in Bewegung kommen. Eigene Erfahrungen aus der Kindheit können plötzlich wieder näher rücken. Vorstellungen davon, was eine „gute Mutter“ sein sollte, können enormen Druck erzeugen. Alte Ängste oder Unsicherheiten können sich verstärken. Manchmal ist deshalb gar nicht auf Anhieb klar, warum es einem nach der Geburt eigentlich schlecht geht.


Muss es erst „schlimm genug“ sein?


Nicht jede schwierige Phase nach einer Geburt bedeutet, dass eine psychische Erkrankung vorliegt. Gleichzeitig müssen Belastungen nicht erst eine bestimmte Schwere erreichen, bevor Unterstützung sinnvoll sein darf. Ein wichtiger Hinweis kann die eigene Wahrnehmung sein:


Ich merke, dass es mir nicht gut geht. Und ich finde gerade allein keinen guten Umgang damit.


Vielleicht hält dieser Zustand schon länger an. Vielleicht werden Ängste oder Erschöpfung immer stärker. Vielleicht leidet die Beziehung zu deinem Baby, deine Partnerschaft oder dein Alltag darunter. Oder du merkst einfach, dass du einen Ort brauchst, an dem du nicht funktionieren musst. All das kann ein Grund sein, sich Unterstützung zu suchen.


Psychotherapeutische Begleitung nach der Geburt


Psychotherapie kann einen geschützten Raum bieten, um zunächst einmal zu verstehen, was gerade eigentlich passiert.


Was belastet mich?


Welche Gefühle haben vielleicht bisher kaum Raum bekommen?


Welche Erwartungen stelle ich an mich selbst?


Was brauche ich, um wieder mehr Stabilität zu erleben?


Dabei geht es nicht darum, eine bestimmte Vorstellung von Mutterschaft zu erreichen oder eine „bessere Mutter“ zu werden.


Es kann vielmehr darum gehen, wieder stärker mit sich selbst in Kontakt zu kommen, die eigenen Reaktionen zu verstehen und einen Umgang mit dieser neuen Lebensphase zu finden, der zur eigenen Person und zur eigenen Familie passt.


Denn Muttersein muss sich nicht so anfühlen, wie du es dir einmal vorgestellt hast.

Und wenn diese Zeit emotional belastend ist, darfst du darüber sprechen – und dir Unterstützung suchen.

 

Anja Zirngibl

Heilpraktikerin für Psychotherapie

Psychotherapeutische Begleitung rund um Schwangerschaft, Geburt & Elternschaft

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