Wie sprechen wir eigentlich mit uns selbst?
Aktualisiert: 28. Juli
Was ich mich häufig frage:
Warum sprechen wir mit uns selbst oft so anders als mit den Menschen, die wir lieben?
Eigentlich ist das doch merkwürdig:
Stell dir einmal vor, eine gute Freundin säße dir gegenüber. Sie erzählt dir, dass sie seit Wochen erschöpft ist. Dass sie nachts kaum schläft und tagsüber nur noch funktioniert. Dass sie ständig das Gefühl hat, nicht zu genügen – als Mutter, als Partnerin, im Beruf.
Irgendwann sagt sie leise: „Ich weiß einfach nicht, was mit mir los ist.“
Was würdest du ihr antworten?
Würdest du ihr sagen: „Reiß dich zusammen.“ Oder: „Andere bekommen das doch auch hin.“?
Ich denke nicht.
Ich vermute, du würdest ihr zuhören.
Vielleicht würdest du versuchen zu verstehen, was gerade in ihrem Leben passiert. Vielleicht würdest du sie fragen, wie lange sie sich schon so fühlt. Vielleicht würdest du sagen: „Kein Wunder, dass dich das gerade so belastet.“
Mit anderen Menschen können wir oft erstaunlich mitfühlend sein.
Mit uns selbst gelingt uns das viel seltener.
Wir sind erschöpft und fragen uns, warum wir nicht belastbarer sind. Wir haben Angst und möchten sie möglichst schnell loswerden. Wir landen immer wieder in denselben Konflikten und suchen den Fehler zuerst bei uns.
Es ist, als würden für uns selbst andere Regeln gelten.
Warum ist das so?
Wann haben wir begonnen zu glauben, dass wir zuerst funktionieren müssen, bevor wir freundlich mit uns sein dürfen? Wann wurde aus „Mir geht es gerade nicht gut.“ ein „Ich darf mich nicht so anstellen.“?
Ich denke, auf diese Frage gibt es keine einfache Antwort. Aber sie kann uns eine Türe öffnen, die uns dabei hilft, uns selbst besser zu verstehen.
Denn vielleicht sind diese strengen Stimmen gar nicht unsere eigenen.
Vielleicht haben wir irgendwann gelernt, dass Leistung wichtiger ist als Erholung. Dass wir stark sein müssen. Dass Gefühle störend sind. Dass wir erst dann liebenswert sind, wenn wir funktionieren.
Was heute wie Selbstkritik klingt, war vielleicht einmal ein Versuch, in einer bestimmten Lebenssituation zurechtzukommen.
Und genau deshalb beginnt Veränderung oft nicht damit, diese Stimmen möglichst schnell loszuwerden.
Sondern damit, sie zuerst zu verstehen.
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Darum möchte ich dich heute zu einer kleinen Beobachtung einladen:
Vielleicht magst du dir in den nächsten Tagen achtsam zuhören: Begegnet dir diese innere Stimme, die streng mit dir ist?
Falls ja, nimm sie zuerst einmal wahr. Das ist schon ein großer Schritt.
Und dann kannst du dich fragen:
Würde ich so auch mit einem Menschen sprechen, den ich liebe?
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